Interview mit Nicole Steger

Nicole ist Equality Diversity & Inclusion Leaderin bei IKEA Österreich.

Unternehmen

Ikea Austria GmbH

Unternehmensbranche?

Handel

MitarbeiterInnenanzahl: 3.600

MitarbeiterInnenanzahl, für die du verantwortlich bist?

Für alle in Bezug auf Equality, Diversity & Inklusion

Deine beruflichen Stationen?

Saisonen in In- & Ausland im Gastgewerbe;
Klinikum Natters für suchtkranke Menschen;
IKEA Innsbruck, Salzburg, Southampton und Wien im Bereich People & Culture mit unterschiedlichsten Verantwortungsbereichen

Deine Aus- und Weiterbildung?

Hotelfachschule Tirol; Arbeits – & Organisationspsychologie an der Universität Innsbruck, ARGE Wien, Master of Science;  TEH – traditionelle europäische Heilkunde Lofer

Welche Fähigkeiten würdest du als am wichtigsten bezeichnen, wenn du an deine HR-Position denkst?

Offenheit & Flexibilität & Empathie. Es ist wichtig, die eigene Komfortzone zu verlassen, denn außerhalb passiert dann die Magie und das stetige Dazulernen in den jeweiligen Fachbereichen. Gleichzeitig braucht es eine Kontinuität in Bezug auf Menschen und deren einzigartige Lebensgeschichten. Es geht darum, den Menschen mit all seinen und ihren Identitäten in den Mittelpunkt zu stellen und gemeinsam zu schauen, wohin sich jemand orientieren möchte.

Was schätzt du an deinem HR-Team?

Ich schätze in meinem Team, dass wir gemeinsam lachen können – auch online. Dass wir uns die Zeit für uns als Menschen nehmen und uns nicht nur beruflich austauschen. Wir wissen auch voneinander, wie geht es uns privat, was ist derzeit die Prio 1 in meinem Leben oder wo läuft es gerade gar nicht. Ein Netz, das mich auffängt, wenn mal nicht alles glatt läuft. Ich schätze sehr das Vertrauen, das wir untereinander haben und die Flexibilität im Team füreinander einzuspringen. Das ist angesichts von insgesamt 8 Kindern im Alter zwischen 2 – 11 in einem Dreier-Team wirklich sehr bereichernd. Und last but not least, dass wir alle bereits beruflich sehr unterschiedliche Wege beschritten haben und so von der Vielfalt der Meinungen, Ansichten und Einstellungen der anderen sehr profitieren.

Was findest du an deinem HR-Job am spannendsten?

Die Zusammenarbeit mit vielen vielfältigen Menschen – sei es hybrid, real, intern oder extern. Gemeinsam können wir Dinge verändern in Bezug auf das Arbeitsleben und auch auf das Privatleben. Wir können daran arbeiten, dass wir und die Generation danach viele Vorurteile bzw. „unconcious bias“ nicht mehr vorfinden. Zum Beispiel, dass Frauen genauso CEO werden und sein können, auch wenn sie in Karenz waren. Oder dass die sexuelle Orientierung oder Genderidentität keinen Einfluss auf deine Karrierechancen haben. Dass du deine Arbeitszeit an deine derzeitige private Situation und deinen Lebenszyklus anpassen kannst. Oder egal woher du kommst, du hast super Fähigkeiten und Stärken für den jeweiligen Job bei uns.

„Wir können in HR daran arbeiten, dass wir und die Generation danach viele Vorurteile bzw. „unconcious bias“ nicht mehr vorfinden.“

Wie wird die Performance in deinem Job gemessen?

Die Performance wird mittels KPI /Kennzahlen gemessen. Um nur ein paar zu nennen: staff turnover, retention rate, etc. Aber auch mittels einer internen Mitarbeiter:innen Befragung, die anonym ist, um zu sehen, wo stehen wir, was läuft gut, wo gibt es noch Luft nach oben und wo haben wir vielleicht einen blind spot bzw. noch gar nicht bewusst darauf geachtet.

Was war dein allererster HR-Job?

Mein allererster HR Job war im Gastgewerbe, wo ich mir für meine Bar mein Team selbst zusammenstellen konnte und wir uns in den nächsten fünf Monaten täglich gesehen und miteinander gearbeitet haben. Mit allen Höhen & Tiefen und von der Analyse, wo finde ich die neuen Kolleg:innen, über das Recruiting, dann Onboarding und laufende Ausbildungen sowie den Mitarbeiter:innen-Gesprächen.

Welches HR-Projekt ist zuletzt richtig gut gelungen? Auf welches abgeschlossene HR-Projekt bist du stolz?

Ich bin besonders stolz auf das heurige gemeinsame Projekt zum Thema IDAHOT = „International Day Against Homophobia, Transphobia und Biphobia“, wo wir gemeinsam mit der NGO Courage Beratungsstelle und unserem Regenbogenkasten HomePrideHome durch fünf Bundeshauptstädte getourt sind. Wir haben über die Sensibilität des Themas Coming-out gesprochen und Awareness geschaffen, wohin kann ich mich wenden, wenn ich oder meine Angehörigen Hilfe brauchen, wo gibt es eine Community in meiner Nähe. Damit ich mich wirklich sicher zuhause fühlen kann, so wie ich bin, ohne mich zu verstellen. Und dies alles kostenlos und anonym.

Für welche drei Dinge in deinem Job bist du am dankbarsten?

Für die vielfältigen Menschen und deren vielen Stärken in der Zusammenarbeit, um gemeinsam neue innovative Wege gehen zu können. Für das Vertrauen, selbst Entscheidungen für Ikea Österreich treffen zu dürfen und dass ich als Frau und Mama in Teilzeit eine Führungsposition ausüben kann.

Wie startest du typischerweise in deinen Arbeitstag?

Durch meine Kinder gezwungenermaßen als early bird obwohl ich eher die Nachteule wäre. 😉 Aber wir starten mit Frühstück um 6.00 Uhr und gehen dann gemeinsam zu Fuß zum Bus durch Wald und Wiese. Auf diesem Weg genieße ich das ungestörte Gespräch mit ihnen und die neuen Entdeckungen wie Regenwürmer, Schnecken, Marienkäfer,… Ich kann danach fokussiert um 7.00 Uhr in den Tag starten.

Worüber hast du dich in den letzten Wochen gefreut?

Als eine Mitarbeitende von uns sich herzlich bedankt hat, dass sie nun endlich versteht, warum es beim Thema LGBTIQ geht und sie nun versteht, wovon ihre Tochter zu Hause immer spricht.

Welches Abenteuer möchtest du in deinem Leben irgendwann einmal wagen?

Heli Snowboarding, Skiing oder eine Ski Tour in Georgien oder Alaska. Da braucht man aber eine gewisse Grundkondition, physisch als auch psychisch, an der ich noch arbeite. 

Vielen Dank für deine Zeit und den spannenden Einblick in deinen HR Job!